Politischer Diskurs

Den vielfältigen Herausforderungen der Schäfereibetriebe kann nicht allein auf betrieblicher und regionaler Ebene begegnet werden. Wie müssen Agrarförderungen ausgestaltet sein, um die Leistungen der Schäferei für Natur und Landschaft angemessen zu honorieren? Welche neuen Herausforderungen bringt die Rückkehr des Wolfes mit sich?

Als neues Aufgabenfeld im Projekt hat sich daher die Fachgruppe „Politik & Rahmenbedingungen“ gebildet. An dieser Fachgruppe sind, neben Projektmitarbeitern aller drei Verbundpartner, auch Schäfereibetriebe sowie ein Vertreter der Oberen und Unteren Naturschutzbehörde und des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen beteiligt.

 

Weidetierhaltung und Gesellschaft

Weidetierhalter leisten der Gesellschaft einen wertvollen Dienst – sie fördern den Erhalt der Biodiversität auf vielfältige Art und Weise. Die Bedeutung der Schafe im Naturschutz wie auch die Bedeutung der extensiven Beweidung mit anderen Haustieren ist für den Erhalt der kleinräumigen Kulturlandschaft im Hotspot 17 essentiell. Diese Leistungen kann Umweltbildung für jedermann erfahrbar machen – doch müssen Leistungen auch angemessen entlohnt werden.

 

Weidetierhaltung und Agrarförderung

Allein vom Verkauf von Fleisch und Wolle ist die Schäferei wirtschaftlich nicht mehr darstellbar - wie andere landwirtschaftliche Betriebe auch sind Schäfereien heute auf Agrarförderungen angewiesen. Die Förderkriterien der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sind jedoch in der Praxis für viele Weidetierhalter problematisch; durch viele Fallstricke unterschiedlicher Förderprogramme laufen die Betriebe Gefahr, sanktioniert zu werden. Auch sind die Förderbeträge nicht ausreichend, um den Betrieben eine solide finanzielle Grundlage zu gewähren. Was ist der Gesellschaft die Dienstleistung der Schafe und Schäfer*innen in unserer Landschaft und für den Naturschutz wert? Die Fachgruppe unterstützt die Schäferschaft, bestehende Probleme zu kommunizieren und bringt sich aktiv in den Diskurs rund um die neue Förderperiode der GAP ein. Hier erfahren Sie mehr zur betriebswirtschaftlichen Situation der Schäfereibetriebe.

 

Weidetierhaltung und Wolf

Die Rückkehr des Wolfes polarisiert. Während Naturschutzverbände den Wolf willkommen heißen, fürchten Weidetierhalter um ihre Existenz. Die Crux: Naturschutz braucht Weidetiere - denn viele naturschutzfachlich wertvolle Flächen können in ihrer Wertigkeit nur durch Weidetierhaltung erhalten werden.

Wie aber verändert der Wolf die Weidetierhaltung? Wie können die Betriebe reagieren? Welche Unterstützung muss der Staat den Weidetierhaltern bereitstellen? Die Fachgruppe dokumentiert die Reaktionen der Weidetierhalter, um damit der Politik einen neutralen Einblick in die Geschehnisse vor Ort gewähren zu können. Wir unterstützen gefährdete Schäfereien im Hotspot 17 mit geeigneter Weidezauntechnik um dem Ziel, präventiv auf die Rückkehr des Wolfes zu reagieren und Rissgeschehen vorzubeugen, näher zu kommen.

Die Weichenstellungen für eine flächendeckende Prävention werden jedoch auf Bundes- und Landesebene gestellt. Durch die Teilnahme an Rundgesprächen mit dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) kann das Projekt hier an Lösungswegen mitwirken.

 

Stand: April 2021