Beweidungskonzepte

Die Beweidungskonzepte werden auf die sehr unterschiedlichen betrieblichen Bedingungen der Schäfereien zugeschnitten. Dafür arbeiten alle drei Verbundpartner eng mit den Schäfereibetrieben zusammen. Ziel dieser Konzepte ist es, die bisherige Flächeninfrastruktur der Schäfereien, bestehend aus für den Naturschutz wichtigen Pflegeflächen, Futterflächen und verbindenden Triebwegen, gemeinsam zu prüfen, bei Bedarf zu optimieren und einen Biotopverbund zu schaffen. Futterflächen sind dabei wichtig, da Pflegeflächen nicht das ganze Jahr beweidet werden und der geringe Aufwuchs auf diesen in Zusammenhang mit dem Klimawandel und geringen Niederschlägen auch nicht ausreicht, um die Herde im Jahresverlauf zu versorgen. Durch die optimierte Vernetzung soll die Pflege wertgebender Naturschutzflächen verbessert und langfristig sichergestellt werden, aber auch die arbeitswirtschaftliche Situation der Betriebe verbessert werden.

Bei den Beweidungskonzepten muss berücksichtigt werden, dass die Schäfer*innen im Jahresverlauf planen müssen. Im Sommer erfolgt die eigentliche Pflegenutzung auf eigenen oder gepachteten extensiven Grünländereien und Naturschutzflächen, im Winter werden dagegen i. d. R. auch Fremdflächen beweidet, darunter Ackerschläge und ertragreicheres Grünland. Wenn nicht genügend Winterweideflächen zur Verfügung stehen, sind auch die Beweidungskapazitäten im Sommer begrenzt. Daher ist es wichtig, die Winterweide bei der Planung mitzubedenken.

 

Optimierung der bewirtschafteten Flächenkulisse

Um eine bessere Vernetzung der Flächen zu erreichen, berichten uns die Schäfer*innen zunächst über ihre derzeitige Situation. Wir erfassen die bereits bewirtschafteten Flächen und gehen gemeinsam problematische Engstellen (wie z. B. zugewachsene Triebwege) und für eine Beweidung interessante zusätzliche Weideflächen durch. Im Anschluss prüfen wir, wo eine Flächensicherung und/oder eine Flächenaufwertung möglich ist. Zurzeit sind Beweidungskonzepte für 10 Schäfereien aus dem Projektgebiet in Arbeit, für die auch bereits Maßnahmen umgesetzt wurden.

Biotopverbund

Biotopverbund

Ein Biotopverbund dient der Vernetzung wertvoller, aber durch intensiver genutzte Bereiche voneinander getrennter Lebensräume. Wandernde Schafherden verbessern aktiv den Biotopverbund durch eine Verbreitung von Samen über Fell, Klauen und Kot oder sie dienen als „Taxis“ für wenig mobile Insektenarten.

Kontakt

Kontakt

Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie nicht genutzte (auch stark verbrachte) und daher interessante Weideflächen im Bereich des Hotspots kennen!

Anne Hopf
Tel. +49 561 8047679
anne.hopf@uni-kassel.de

Jakob Latz
Tel. +49 5657 - 6449933
latz@naturparkfrauholle.land

Hilfsmittel Weidepraxis

Durch die zunehmend trockeneren Sommer spielt gerade auf abgelegenen Naturschutzflächen die Verbesserung der Wasserversorgung eine wichtige Rolle. Vor allem um dies zu erleichtern und zur Herstellung des Grundschutzes vor dem Wolf wurden bisher folgende Hilfsmittel angeschafft: Wasserwägen, Netze, Weidezaungeräte, Akkus/Batterien, Solarpanels und Ladegeräte. Diese Materialien sind in größerem Umfang notwendig, da die Netze durch die Trockenheit deutlich öfter umgestellt werden müssen und auch größere Flächen benötigt werden, um die vorhandene Vegetation nicht zu stark zu schädigen. Außerdem wurden zwei überbetrieblich zu nutzende Geräte angeschafft: ein Lesegerät für Ohrmarken und eine kleine Waage. Bei Bedarf verleihen wir auch Material und Gerätschaften an die Schäfereien, die im Arbeitsalltag unterstützen (z. B. Kleingeräte und Werkzeuge für Biotoppflegemaßnahmen).

 

Einbindung von wertvollen Naturschutzflächen

Artenreiche Offenland-Lebensräume, wie Magerrasen, Borstgrasrasen oder Mähwiesen, sind im Hotspot 17 weitestgehend durch Schutzgebiete gesichert und viele dieser Lebensräume werden auch bereits beweidet. Dennoch stoßen wir bei unseren Flächenbegehungen immer wieder auf stark mit Gehölzen zugewachsene, verbrachte Bereiche, die nach einer Entbuschung gut in bestehende Beweidungskonzepte integriert werden können. Aber auch außerhalb der Schutzgebiete gibt es viele für den Naturschutz hoch interessante Flächen (z. B. alte Streuobstwiesen), die aufgrund der fehlenden Nutzung zunehmend verbrachen. Extensiv genutzte Grünlandflächen oder auch Streuobstwiesen schaffen außerdem als Pufferflächen einen Abstand zwischen Magerrasen und intensiv genutzten Ackerflächen und sind daher von besonderem Interesse für eine Einbindung in die Beweidungsrouten. Auf Landschaftsebene dienen die Beweidungskonzepte dem weiteren Ausbau des Biotopverbunds.

 

Input von Akteuren aus der Region

Nicht nur die Schäfereien selbst, sondern auch verschiedene Naturschutz-Akteure aus der Region liefern uns Input für die Beweidungskonzepte. So haben wir beispielsweise zu Anfang des Projekts zusammen mit Vertretern der Oberen und Unteren Naturschutzbehörde naturschutzfachliche Schwerpunkträume identifiziert, in denen auch ganz neue Beweidungskorridore entstehen können. Auch Naturschutzverbände, das Landwirtschaftsamt, unser Projektbeirat oder am Naturschutz interessierte Privatpersonen machen uns regelmäßig auf Flächen aufmerksam, die in die Beweidungsgänge der Schäfereien eingebunden werden können und tragen dadurch aktiv zur Gestaltung der Beweidungskonzepte bei. Wir suchen auch weiterhin nach Flächen, die mit Schafen oder Ziegen beweidet werden können. 

 

Langfristige Umsetzung der Beweidungskonzepte

Alle Beweidungskonzepte werden gegen Ende des Projekts in einem integrierten Gesamtkonzept zur Schafbeweidung im Hotspot 17 zusammengeführt. Dieses enthält z. B. Vorschläge für einen sinnvollen Einsatz von Dritt- und Ausgleichsmitteln zur Flächensicherung oder -aufwertung nach Projektende und zeigt Möglichkeiten zur Anbindung von angrenzenden Biotopverbunden außerhalb der Hotspot-Grenzen auf. Um eine Fortsetzung der im Projekt begonnenen Arbeiten zu ermöglichen, übergeben wir das Gesamtkonzept an die Landschaftspflegeverbände und an alle weiteren interessierten Naturschutz-Akteure im Hotspot.

 

Stand: März 2021